Seltene Rebsorte: Roter Veltliner

Der Name “Roter Veltliner” ist ein wenig verwirrend, denn es handelt sich um eine Weißweintraube. Allerdings sind die voll ausgereiften Trauben zartrosa bis leicht rötlich. Roter Veltliner ist nicht verwandt mit dem Grünen Veltliner, jedoch ist beiden Rebsorten eins gemeinsam: Wenn keine Ertragsreduzierung durchgeführt wird, geraten die Weine dünn und ausdruckslos. Hingegen war der Rote Veltliner wichtiger Kreuzungspartner für die Entstehend der Rebsorten Zierfandler, Rotgipfel und Neuburger. Doch der Name der Rebsorte verwirrt noch weiter: Die Rebsorte stammt garantiert nicht aus dem Veltin (dort spielte sie nie eine Rolle)! Ob wohl die Herkunft der Rebsorte bis heute nicht exakt bestimmt werden konnte, wird sie als autochtone österreichische Rebsorte anerkannt. Lange Zeit war die Rebfläche der Rebsorte rückläufig – zu divenhaft ist sie im Anbau, ihre Erträge schwanken von Jahr zu Jahr extrem, da die Rebsorte äußerst anfällig für Blüte-, Spät- und Winterfrost ist. 2016 gab es nur etwa 100 Hektar roter Veltliner in Österreich, Stand 2021 sind es bereits über 200 Hektar. Eine Verdopplung in fünf Jahren deutet stark auf einen Trend hin, aber natürlich sind 200 Hektar extrem wenig, Weine aus dieser Rebsorte sind weiterhin eine Rarität. Die Trauben reifen sehr spät, oft erst Mitte Oktober, und das meist innerhalb weniger Tage! Bis dahin sind die Trauben grün, dann schlägt die Farbe um und die Oechslewerte steigen in wenigen Tagen von 70° Oe auf über 90° Oe. Auch Oechslewerte über 100° sind keine Seltenheit! Die Nase ist eher zurückhaltend, aber sehr facettenreich mit Noten von Blutorgangen, roten Beeren, Steinobst, aber auch exotische Früchte wie Honigmelone, Litschi und Ananas, brauner Zucker, Karamell, Maronen, dazu kommt am Gaumen eine feine Würze. Die Beeren einer Traube reifen ungleichmäßig, weshalb auch immer wieder pfeffrig-grasige Noten von den unreifen Beeren in Weinen von Rotem Veltliner zu finden sind.

Unsere Empfehlung: Roter Veltliner von Gudrun Grill-Gnauer.

Die Rebsorte „Roter Veltliner“ ist sehr empfindlich gegenüber Pilzkrankheiten, besonders Botrytis, und Frost. In idealen Jahren sind die Erträge sehr hoch, weshalb zur Qualitätserhaltung eine Ertragsreduzierung durchgeführt werden muss.
Sie stellt hohe Ansprüche an die Lage, ideal sind sonnige und warme Lagen. Ideal sind tiefgründige, fruchtbare Lehm- und Lössböden (besonders die Löss-Stufe des Wagrams bringt bemerkenswerte Weine hervor, aber auch in Deutschland verbessert sich die Qualität von Jahr zu Jahr – im Auge behalten!). Die Rebsorte verträgt kalk- und tonreiche Böden sehr gut, ganz im Gegensatz zum Grünen Veltliner.

Tolle Frucht und eine außerordentliche, nämlich cremig-füllige, Struktur, gepaart mit einer pikanten Säure (und mit einem ordentlichen Reifepotential!) machen diese Weine extrem ansprechend und gleichzeitig spannend als Speisenbegleiter, sie passen zu vielen Speisen der österreichischen Küche. Wildgerichte (nicht mit dunklen Saucen), klassische Innereien und alle Arten von Gebackenem begleitet ein Roter Veltliner hervorragend. Helles Geflügel oder Fisch ist dann doch zu zart.

Die knapp 200 Hektar in Österreich sind im Wagram, Kamptal, Kremstal und im Weinviertel. Die größte Rebfläche für roten Veltliner ist jedoch mit 250 Hektar in der Slowakei. Ansonsten stehen nur einige wenige Hektar in Deutschland, Ungarn und Tschechien.
In Deutschland ist die Rebsorte spätestens 1000 n. Chr. verbreitet gewesen. Es scheint die Sorte der süddeutschen Lössgebiete gewesen zu sein. Vereinzelt stehen wenige Hektar, besonders an der hessischen Bergstraße und in Rheinhessen, oft jedoch in einer Art gemischter Satz. Bis 2005 gab es in der deutschen Gendatenbank keinen Klon der Rebsorte (Der als „Roter Veltliner“ kategorisierte Gennachweis war in Wirklichkeit „Großer Roter Veltliner“). Einige Winzer trauen sich in Deutschland, die Rebsorte seit einigen Jahren rebsortenrein zu Wein zu verarbeiten. Wir beobachten mit Spannung jedes Jahr die Ergebnisse.

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